Freitag, 23. Juli 2010

Transmutation - Zwei Fliegen mit einer Klappe?

Eine der großen Fragen unserer Zeit ist sicherlich: Wohin mit dem radioaktiven Abfall?
Das größte Problem beim Betrieb von Kernkraftwerken ist sicherlich die Frage der Endlagerung des radioaktiven Abfalls. Bei Halbwertszeiten von einigen 10.000 Jahren merkt man schnell, dass es keine Endlager geben kann. Niemand kann sicherstellen, dass ein Lager für 10.000 oder 100.000 Jahre sicher ist, das leuchtet jedem ein. Jetzt stellt sich also die große Frage, was tun? In den Medien wird uns dieses Problem als unlösbar angepriesen, noch Generationen nach uns werden an den Folgen der heutigen Energiepolitik zu leiden haben. Aber Moment mal!
Bereits Ende der 1980er Jahre entwickelte der Physiker und Nobelpreisträger Carlo Rubbia ein Konzept, mit dem radioaktiver Abfall in harmlose Materialien umgewandelt werden kann. Hierzu beschießt man die radioaktive Substanz wie zum Beispiel I-129 mit einem Protonenstrahl. Durch die zugeführte Energie wandelt sich daraufhin das radioaktive Iod in stabiles Xe-130 um. Dies funktioniert ähnlich für alle anderen radioaktiven Substanzen.
Das naheliegende wäre, diese Technologie bis zur "Marktreife" zu fördern und eine solche Anlage zu bauen. In den 1980er waren dies noch Utopien, damals war ein sogenannter High-Power-Proton-Linac ein großes Problem, heutzutage gibt es diese Beschleuniger.
Tatsächlich wird bei der Umwandlung des Abfalls noch soviel Energie frei, dass eine solche Anlage vollkommen autark laufen und sogar noch Energie ins Netz pumpen könnte. Und auch die Entwicklung wäre vergleichsweise billig. Eine Testanlage wäre an vielen Kernforschungszentren denkbar, einige verfügen auch schon über Protonenbeschleuniger mit hohen Strahlströmen. Doch leider wird diese totgeschwiegene Technologie nicht eingesetzt. Viele Physiker bemühen sich seit Jahren erfolglos um Finanzierung einer Testeinrichtung. Da fragt man sich, was hat man zu verlieren? Ein relativ billiges Forschungsprojekt, das im schlimmsten Falle feststellt, dass die Technologie noch nicht einsetzbar ist und im besten Falle, dass wir das Problem des radioaktiven Abfalls gelöst haben.

Atomkraftwerke in der Sonne

Zur Zeit kursieren in den Medien diverse Meldungen zu Notabschaltungen der Atomkraftwerke in Deutschland. Grund hierfür ist das extrem heiße Wetter der letzten Wochen, wodurch sich die Wassertemperatur der Flüsse soweit erwärmt hat, dass Fische und andere Flussbewohner gefährdet sind.
Dieser Effekt wird selbstverständlich durch Kraftwerke, die das Wasser aus großen Flüssen zur Kühlung nutzen noch verstärkt. Die Kraftwerke geben dabei ihre Abwärme an das Wasser ab und leiten es zurück in die Flüsse. Um ein Massensterben der Fischbestände zu vermeiden werden daher einige Kraftwerke gedrosselt, sodass sie weniger Abwärme produzieren.
Die Medienwelt spricht in diesem Zusammenhang leider oft nur von Atomkraftwerken. Tatsächlich sind aber gerade die Kohlekraftwerke aufgrund ihres geringeren Wirkungsgrades mindestens genauso betroffen, dies verschweigt man aber gerne. Der allgemeine Hype um die Atomkraft wird hier mal wieder geschürt.
Des weiteren fällt immer wieder der Begriff der Notabschaltung. Ein Kraftwerk zu drosseln hat jedoch mit einer Notabschaltung nun mal gerade überhaupt nichts zu tun, es ist ein ganz normaler Vorgang, so wird auch die Kraftwerksleistung an den momentanen Verbrauch angepasst. Hört man allerdings die Worte "Atomkraftwerk" und "Notabschaltung" in einem Satz, wird jeder hellhörig. Hier wird wieder künstlich ein Thema aufgebauscht, das sachlich betrachtet eine Selbstverständlichkeit ist.

Freitag, 19. Februar 2010

Die Wahl der Qual

Wie oft sitzt man vor seinem Rechner und denkt sich: "Muss das jetzt wirklich wieder sein? Kannst du nicht einfach machen was ich will?" Und dann dauert das auch noch so lange... Und je älter der Rechner wird, desto langsamer wird er auch noch. Das liegt wohl an der Alterung der Hardware oder doch nicht?
Viele Leute stellen sich sehr oft diese Fragen und sind alleine beim Anblick ihres Rechners schon bedient. Doch viele wissen gar nicht, dass auf einem Rechner nicht unbedingt ein Betriebssystem von Microsoft laufen muss. Es gibt genügend Alternativen. Leider wird dem Verbraucher beim Kauf in den meisten Fällen keine Wahl gelassen, das Windows ist vorinstalliert und man muss nur die Kabel anstecken, schon gehts los. Das hat natürlich seine Vorteile. Doch ich nehme mir gerne 20 Minuten Zeit, wenn ich dafür ein stabiles System über Jahre hinweg einsetzen kann. Wovon rede ich? Von Linux!
Viele haben noch nie etwas von Linux gehört oder nur, dass es unglaublich kompliziert ist und für den Normalbenutzer kaum zu bewältigen. Das ist Unfug. Linux ist zwar nicht Windows, das möchte es auch überhaupt nicht sein, aber Linux ist in seiner Benutzerfreundlichkeit mindestens genauso gut. Zwar ist es anders und der Windows gewohnte Nutzer muss sich etwas umgewöhnen, aber es ist definitiv nicht schwerer zu bedienen, ich würde sogar sagen es ist inzwischen leichter. Die Struktur der Menüs ist logischer, wichtige Funktionen wie Updates werden automatische erledigt. Wer also den Willen aufweist ein anderes System als Windows zu testen, der wird sich in Linux schon nach wenigen Mausklicks zurecht finden.
Was ist denn nun anders als an Windows? Linux ist kein System, das von einem großem Konzern produziert wird. Es ist ein System, das von interessierten Leuten aus der ganzen Welt ständig verbessert und erweitert wird, ohne dass dabei der Überblick verloren geht. Es ist deshalb auch vollkommen kostenlos. Die verschiedenen Linux Distributionen sind im Internet frei erhältlich, es ist keine Registrierung oder sonstiges erfoderlich, nur der Download-Button ist anzuklicken. Linux-Systeme sind daher auch nicht bestrebt zu altern. Viele Benutzer wissen gar nicht, dass es von Microsoft beabsichtigt ist, dass das System nach einer gewissen Zeit langsam und träge wird. Es zwingt den Benutzer nämlich zum Kauf eines neuen Systems. Da Linux keinerlei wirtschaftliche Ziele verfolgt, ist das hier nicht so. Ob ein System eine Stunde oder 10 Jahre alt ist, ändert nichts an der Geschwindigkeit. Zudem hat man als Benutzer eine viel größere Kontrolle über die Aktivitäten des eigenen Systems. Linux sendet keine Daten an den Hersteller und blockiert so wichtige Systemressourcen, es gibt auch keine Viren oder sonstige Schadsoftware für Linux. Das liegt nicht daran, dass Linux keine Sicherheitslücken hat, es gibt keine System ohne Sicherheitslücken, aber die Entwickler von Linux sind bestrebt diese so schnell wie möglich zu schließen, sobald diese bekannt werden. Mircosoft hingegen verlässt sich dabei ganz auf Drittanbieter, die Virenscanner und Firewalls entwickeln, um die Schlamperei der Entwickler zu bewältigen. Das funktioniert natürlich nur in gewissem Rahmen, da kein Entwickler von Virenscannern den Quellcode von Windows kennt und es so extrem schwierig ist, die Lücken überhaupt zu entdecken. Natürlich macht ein Virenscanner ein System deutlich langsamer, da jeder eingehende Datenstrom erst kontrolliert werden muss. Da Linux kontinuierlich weiterentwickelt wird und das System sehr gepflegt wird, gibt es unter Linux fast keine Systemabstürze. Die meisten Fehlermeldungen sind auf Hardware-Fehler zurückzuführen, was das Arbeiten sehr erleichtert. Einer der bedeutendsten Vorteile von Linux im Allgemeinen ist die Paketverwaltung. Unter Windows installiert man Programme, indem man entweder in den nächsten Laden geht und sich die entsprechende CD kauft oder im Internet auf irgendwelchen Websites sucht, wobei man da nie sicher sein kann, was einem da angeboten wird. Unter Linux läuft das grundlegend anders. Sämtliche Programme und Anwendungen, die unter Linux zur Verfügung stehen, sind in der sogenannten Paketverwaltung aufgelistet. Möchte man ein Programm haben, das eine gewissen Funktion erfüllt, so öffnet man den Paketmanager, tippt seinen Suchbegriff ein und erhält Vorschläge für geeignete Programme. Entschließt man sich zur Installation, so klickt man auf den entsprechenden Button und schon startet das System selbstständig mit dem Download aus den offiziellen Quellen und der Installation des Programmes. Hier muss man also keine komplexen Installationsprogramme durchlaufen oder das komplette Internet durchforsten, das läuft alles automatisch.
Linux hat natürlich nicht nur Vorteile. Da die heutigen Entwickler von Computerspielen oder Spezialsoftware in den meisten Fällen nur eine Windows-Version ihrer Produkte anbieten, ist Linux nicht für Gamer geeignet. Außerdem ist es mit älterer Hardware schwierig passende Treiber zu finden. Generell gilt, Linux findet den Treiber bei der Installation selbst, oder es gibt keinen. Dieses Problem betrifft aber wirklich nur sehr alte oder brandneue Hardware, die Standardhardware stellt hier kein Problem dar. Je nachdem, in welche Aufgaben man mit seinem Rechner ausübt, ist es jedoch eine echte Alternative. Zum Surfen, Mailen, Musik hören, Videos schauen, Texte schreiben oder ähnlichen Standardandwendungen ist Linux bestens geeignet, hier unterscheider sich das Softwareangebot überhaupt nicht von dem, das Windows bietet. Will man speziellere Software einsetzen, so gibt es eine Unmenge an quelloffenen Alternativen zu den kostenpflichtigen Programmen. Auch hier ist meistens eine Lösung zu finden.
Wer Linux testen möchte und nicht gleich sein Windows aufgeben will, der kann das natürlich mit einer sogenannten Live-CD. Diese CD enthält ein komplettes Betriebssystem und verändert keine Daten auf der Festplatte. Es kann also dem bestehenden System keinen Schaden zufügen. Einfach ins CD-Laufwerk und los geht. Findet man das System gut, möchte aber trotzdem die Windows-Alternative behalten, so kann man zusätzlich zu Windows auf die Festplatte ein Linux Betriebssystem installieren. Dies nennt sich Dualboot-System. Beim Start wird man zur Wahl des System aufgefordert, das man benutzen möchte. Dabei laufen die Systeme vollkommen unabhängig. Windows merkt nichts von Linux und Linux ändert nichts am Windows.
Wer also von seinem System mal wieder genervt ist, der kann gerne mit der Live-CD ein System wie zum Beispiel Ubuntu-Linux testen. Die Handhabung ist sehr einfach, die Installation spielend leicht.
Wer sich also traut, der wird es sicher nicht bereuen!

Donnerstag, 4. Februar 2010

Vom System ausgebremst

Reingelegt!
So lässt sich die Situation wohl am ehesten beschreiben. Nicht nur, dass wir Studenten jedes Jahr etwa 1400€ an Studiengebühren hinblättern müssen (inklusive der Sozialbeiträge) und zum Dank ein vollständig sinnentleertes Studium vorgesetzt bekommen, man möchte uns jetzt auch noch auf anderem Wege das letzte Standbein absägen. Dank der Einführung des Bachelor/Master-Systems sind wir in der Situation, dass gewisse Studiengänge ihre Regelstudienzeit von 10 Semestern auf 6+4 Semester aufgeteilt haben. Das klingt ja erstmal nicht schlimm. Problematisch wirds aber, wenn nun jemand im 6. Semester eine Prüfung nicht besteht, was im Laufe des Studiums durchaus vorkommt und erst recht in solchen Experimentierphasen, die wir Bachelor und Master nennen. Früher wäre das kein Problem gewesen, man studiert eben munter weiter und holt die Prüfung irgendwann später nach oder macht vielleicht auch etwas ganz anderes stattdessen. Die Zeiten sind leider vorbei. Die neuen Studiengänge sind zum Einen so durchstrukturiert, dass man so gut wie keine Wahl hat, was man da eigentlich belegt, das heißt persönliche Interessen eines Studenten sind vollkommen fehl am Platz und zum Anderen ist da ja die Hürde nach dem 6. Semester. Ohne ein Bachelorzeugnis wird einem da eiskalt der Zugang zum 7. Semester verwehrt. Das heißt konkret, wer nicht besteht, muss sein Studium zwangsverlängern, was im Extremfall dazu führt, dass ein Student wegen einer einzigen nicht bestandenen Prüfung im gesamten Studium vielleicht sogar ein ganzes Jahr an seinen Bachelor dranhängen muss, denn manche Studiengänge bieten ihre Veranstaltungen nur einmal jährlich an und lassen auch nur einmal jährlich eine Einschreibung in den Masterstudiengang zu. Nach dem einen Jahr des Nichtstuns gehts dann ganz normal mit dem Master weiter, dank des Systems. Was passiert denn nun in diesem einen Jahr? Studenten, die auf Zuschüsse vom Staat angewiesen sind und plötzlich nach 6 Semestern ihren Abschluss wegen einer fehlenden Prüfung nicht bekommen, stellen vergeblich ihren BAföG-Antrag. In meinem Fall ist es sogar noch abstruser. In meinem Studiengang ist man so kulant, dass ich bereits trotz fehlendem Bachelor-Zeugnis Masterprüfungen ablegen darf, sozusagen auf Vorbehalt, damit ich das eine Jahr nicht komplett verschwende. Das interessiert das Amt für Ausbildungsförderung (man führe sich den Namen mal zu Gemüte) herzlich wenig. Wer die Regelstudienzeit überschreitet verliert. Dass ich in Wahrheit meinen Abschluss voraussichtlich dennoch in 10 Semestern schaffe, wie vorgesehen, spielt dabei keine Rolle. Im Gegenteil, da ich bereits Prüfungen im Masterbereich ablege, werde ich voraussichtlich nicht die vollen 4 Semester als Master eingeschrieben sein. Dies führt dazu, dass der Staat mal eben ganz einfach 12 Monatsraten meines BAföGs einbehält.
Dumm gelaufen? Von wegen, das ist ja noch nicht alles. "Das wäre ich ja selbst schuld." teilte man mir auf dem BAföG-Amt mit. Zähneknirschend musste ich dies leider hinnehmen. Dachte ich. Denn da erfuhr ich von einem Kommilitonen, der exakt in der gleichen Situation ist, sogar die gleiche Prüfung nicht bestanden hat. Und was höre ich? Er erhält weiter über seine Regelstudienzeit hinaus BAföG. Wie kann das sein? Ich war ratlos und suchte instantan die Beratungsstelle auf. Dort war man in etwa genauso ratlos wie ich, man teilte mir allerdings mit, dass es einen Antrag auf Verlängerung über die Regelstudienzeit hinaus gibt, sofern eine Prüfung nicht bestanden wurde. Was soll das denn? Ist es nicht immer so, dass ich wegen einer nicht bestandenen Prüfung länger studiere? Der Sinn entzieht sich immernoch meinem logischen Verständnis. Naja, ich muss ja nicht alles begreifen. Fakt ist, dass ein weiterer Kommilitone, ebenfalls in exakt der gleichen Lage (ja, die Prüfung war zu schwer) auf der Beratungsstelle doch ganz anders informiert wurde. Dort teilte man ihm mit, dass es keine Möglichkeit gäbe, die Förderungszeit zu verlängern, man teilte ihm allerdings auch mit, dass man sich doch vielleicht ein ärztliches Attest ergaunern könne, um einen guten Grund für das nicht Bestehen der Klausur vorweisen zu können. Nochmal langsam, wie war das? Ja, das BAföG-Amt ruft nun also zum Bescheißen auf. Na herzlichen Glückwunsch! Das Ende vom Lied: Man riet mir, ein informelles Schreiben zu meinem Antrag zuzufügen, in welchem ich meine Situation beschreibe und begründe, warum ich über die Förderungshöchstdauer hinaus weiter BAföG beziehen möchte. Aha. Also ich glaube ich habe es jetzt verstanden. Ich erhalte keine BAföG, wenn ich mein Studium nicht in der Regelstudienzeit schaffe, aber schon, wenn ich mein Studium nicht in der Regelstudienzeit schaffe. Hm, nee. Ergibt irgendwie immernoch keinen Sinn. Naja, was solls, selbst Nachdenken wird mir ja sowieso abgewöhnt. Am Besten suche ich mir reiche Eltern, lasse mir von ihnen mein Studium finanzieren, ziehe mich für fünf Jahre aus meinem Leben zurück, lerne 18 Stunden pro Tag für die unmenge Klausuren nach jedem Semster und schwups... nach fünf Jahren kommt der perfekte Akademiker heraus. Oder doch nicht?

Donnerstag, 14. Januar 2010

Wer hat Angst vorm schwarzen Loch?

Aus aktuellem Anlass möchte ich mich zu einem bereits durchgekauten Thema äußern, aber es ist in gewisser Weise meine Pflicht als Physiker.
Es geht um den Large Hadron Collider LHC am Europäischen Zentrum für Kernforschung CERN bei Genf. Der Bau dieser neuen Anlage hat zu sehr vielen Diskussionen geführt, allerdings nicht immer mit sachlichen Argumenten. Ich selbst arbeite an einem Teilchenbeschleuniger an dem Mittelenergiephysikexperimente zur Baryonspektroskopie durchgeführt werden (für die Physiker unter uns...). Aus diesem Grund kann ich die endlosen Diskussionen mal von der wissenschaftlichen Seite beleuchten.
Erstmal ein kleiner Überblick. Der LHC ist nicht der erste Teilchenbeschleuniger. Um genau zu sein gibt es diese seit über 80 Jahren. Und warum baut man diese überhaupt? Weil man Dinge sehen will, die man noch nicht kennt. Nun das stimmt nicht ganz, in vielen Fällen hatte man theoretische Vorhersagen, die den Bau einer neuen Anlage erst attraktiv gemacht haben um diese zu verifizieren. In vielen Fällen hat sich die Theorie bestätigt, in einigen nicht. In den 70er Jahren wurde dann eine Theorie vorgestellt, die uns erklären kann, warum die Objekte um uns herum eine Masse haben, der sogenannte Higgs-Mechanismus. Wenn es diesen Higgs-Mechanismus gibt, so die Theorie, dann gibt es auch ein neues Elementarteilchen, das Higgs-Boson. Finden wir also das Higgs-Boson, so haben wir die Theorie bestätigt und sind einen gewaltigen Schritt weiter. Einen kleinen Haken hat das Ganze. Man weiß nicht genau, wo man nach dem Higgs suchen soll. Man kennt zwar seine grundlegenden Eigenschaften, aber ausgerechnet das was es erklären soll, kennt man von ihm nicht, seine Masse. Die Theorie steckt zwar eine untere und obere Grenze ab, bei welcher Energie man das Higgs erwartet, der Bereich ist aber ziemlich riesig. Deshalb sind seit den 70er Jahren immer größere Beschleuniger gebaut worden, in denen nach dem Higgs gesucht wurde, dabei musste man zu immer höheren Energien gehen. Leider blieb die Suche bislang erfolglos. Das heißt nicht, dass die Suche bisher sinnlos war. Wir wissen jetzt, wo wir nicht suchen müssen, das ist ein wahnsinniger Erfolg. Die beiden letzten großen Beschleuniger waren der Large Electron Positron Collider LEP, der genau da stand, wo jetzt der LHC steht, sogar im gleichen Tunnel und das Tevatron, ein Linearbeschleuniger in den USA. Beide Beschleuniger hatten Energien, die zwar nicht an den LHC heran kommen, aber gar nicht mal so weit weg sind. Man vermutet, dass man deshalb das Higgs nur knapp verpasst hat. Der LHC ist jetzt also die letzte Hoffnung das mysteriöse Teilchen zu finden oder die Theorie noch einmal zu überarbeiten. Soweit zum Überblick.
Jetzt stellen sich viele die Frage, warum müssen solch immense Geldsummen für einen so sinnlose Spielerei wie den LHC verschwendet werden? Naja, betrachten wir es mal anders. Der Bau des LHC kostete etwas 3 Milliarden € und dauerte fast 20 Jahre. Das macht etwa 150 Millionen € im Jahr. Verteilt man diese auf alle Staaten, die an dem Projekt beteiligt sind, so kommt man auf eine Summe von vielleicht 5 Millionen € im Jahr. Wenn man sich dann vor Augen führt, dass eine Bank, die mutwillig vor die Wand gefahren wurde mal eben über Nacht einige zig Milliarden erhält, erscheint einem das plötzlich gar nicht mehr so viel. Andererseits kostete der LHC insgesamt gerade mal soviel wie ein großes Kreuzfahrtschiff. Das gibt dem Unternehmen also eine ganz andere Dimension. Und was passiert überhaupt mit dem Geld? Wird das verbrannt? Nein, das wird investiert in meist mittelständige Unternehmen, die die Einzelteile des LHC gebaut haben. Sehr viele der Bauteile für einige hundert Millionen € wurden von Unternehmen in Deutschland produziert. Das Geld kommt also indirekt wieder beim Steuerzahler an, der als Arbeiter davon seinen Lohn erhält. Das ist also ein Argument den LHC zu finanzieren, aber sicher kein gutes.
Ein weiteres, wenn wir schon nichts von der Entdeckung des Higgs-Bosons haben, zumindest vordergründig, sind die sogenannten Abfallprodukte der Grundlagenforschung. Es gäbe keine Kernspintomographie, keine Röntgengeräte, keine Strahlentherapie, hätten wir keine Teilchenbeschleuniger gebaut und ständig weiter entwickelt. Tatsächlich ist die medizinische Anwendung von Erfindungen der Beschleunigerphysik momentan größer denn je. Vielleicht wissen wir heute noch nicht, welche Entwicklung beim Bau des LHC uns einmal einen praktischen Nutzen abwirft, aber genauso wenig wussten das die Menschen vor 80 Jahren, als die ersten Zyklotrone gebaut wurden. Heute sind Zyklotrone das A und O zur Therapie bestimmter Krebserkrankungen.
Ein lästiges Thema bleibt noch, die schwarzen Löcher. Tja, was soll ich sagen... Ich kann als Physiker behaupten, dass wir unser Universum so gut verstehen, dass wir einige unumstößliche Erkenntnisse sammeln konnten. Darunter gehört die elementare Logik, auch wenn das eher zur Philosophie gehört... Zum Einen sagt jedes uns bekannte Modell der allgemeinen Relativitätstheorie, dass die Energien im LHC im viele viele Größenordnungen zu klein sind, um stabile Löcher zu erschaffen. Da kommt jetzt der Einwand, ja aber wir kennen die Naturgesetze in diesen Bereichen doch gar nicht. Doch kennen wir, zumindest wissen wir was nicht passiert. Denn es entstehen keine schwarzen Löcher. Die Sonne strahlt pro Sekunde viele viele Milliarden Teilchen ab, die weit weit mehr Energie besitzen als ein Proton im LHC. Diese Teilchen treffen permanent auf unsere Atmosphäre und lösen dort Kernreaktionen aus, von denen die Genfer Physiker wohl nur Träumen können. Der einzige Unterschied ist, dort ist kein Detektor, der die Reaktion vermessen kann. Es wäre auch schwer einen Detektor mit 12.000 Tonnen Gewicht in die obere Atmosphäre zu bringen. Also haben wir den LHC gebaut, auch wenn seine Energie nur ein Bruchteil dessen ist, was da oben abläuft. Da wir alle noch leben, können wir also ohne jeden Zweifel davon ausgehen, dass in unserer Atmosphäre keine schwarzen Löcher entstehen. Wie schon gesagt, diese Reaktionen sind noch energiereicher, im Prinzip aber vom identischen Ablauf.
Warum gibt es jetzt so viele Menschen, die im LHC eine Bedrohung sehen? Ich weiß es nicht. Tatsache ist, die Menschen, die sich gegen den LHC wehren, sind nicht diejenigen, die von sich behaupten können zu wissen, was dort passiert. Einfache logische Argumente werden in den Diskussionen einfach ignoriert, die Bevölkerung wird in Panik versetzt (zumindest versucht man das). Menschen, die vielleicht nicht den nötigen Sachverstand haben, folgen dem, der die schlimmsten Prognosen stellt, ich nenne es mal eine Abart von Sensationsgeilheit. Es gibt absolut keinen Grund, im LHC eine Gefahr zu sehen, im Gegenteil. Ich glaube die wahre Gefahr geht von den Menschen aus, die ohne Sinn und Verstand gegen alles vorgehen, was sie nicht kennen oder nicht wollen. Das ist der Untergang der Wissenschaft, der Untergang des menschlichen Forscherdrangs und ein Weg zu einer Gesellschaft, die von Angst, Vorurteilen und falschen Idolen geführt wird.